089Spirits 2017

089Spirits 2017

Unsere schwäbischen Leser kennen sie vielleicht – die 0711Spirits in Stuttgart als Fach- und Verbrauchermesse für hochwertige Spirituosen. Nach zwei erfolgreichen Messen 2015 & 2016 ging der Veranstaler mit dem gleichen Konzept nach München und veranstaltete im Herbst 2016 die erste 089Spirits. Vom 10. bis 12. November 2017 fand  die zweite Ausgabe der Messe statt und begeisterte die Besucher mit einer Auswahl an Whisky, Gin, Rum, Tequila, Bränden und einigen Craftbieren und Weinen sowie Tastings zu verschiedenen Themen. Nach Ausstellerinformationen fanden 3500 Besucher im Laufe der drei Tage ihren Weg auf die Praterinsel, darunter waren am Freitagabend auch wir. Nachdem wir uns im letzten Jahr einen guten Überblick über die angeboten Spirituosen verschafft hatten, unser Fokus aber eindeutig auf Whisky lag, haben wir uns 2017 in erster Linie auf die Vielzahl von Gins gestürzt. Unabhängig voneinander haben wir in den letzten Monaten den aktuellen Gin-Trend mitgenommen und ein Interesse für den, ursprünglich aus Holland stammenden, Wacholderschnaps entwickelt und die Abwechslung schätzen gelernt. Wer uns auf Facebook und Instagram bereits folgt weiß, was jetzt kommt. Wir haben uns während der Ginverkostungen Notizen gemacht und möchten sie hier mit euch teilen. Den Anfang macht, nicht nur wegen der Herkunft der Messe, der

 

GINSTR – Stuttgart Dry Gin

In der Nase Citrustöne und Alkohol. Auch im Geschmack ist neben Citrusaromen und Wacholder der Alkohol spürbar. Allerdings absolut mild und harmonisch. Sehr lecker und damit eine der großen Überraschungen auf der 089 Spirits. Als Gin & Tonic passt er gut mit dem Indian Tonic von Fever-Tree zusammen. Ein Stück Zitronenzeste, Eis und ein Rosmarinzweig und fertig ist ein sehr gut schmeckender Gin Tonic.

 

 

Flow Gin – the flowery Gin

Ein Bio Gin mit zugesetzten Botanicals, wodurch die natürliche goldene Färbung entsteht. Hier gehen unsere Meinungen etwas auseinander. Nic sagt: Zu weich, zu blumig, zu nichtssagend. Hätte mehr Komplexität vertragen können. Flo sagt: Sehr weich, floral, angenehmer Gin, vor allem als purer Genuss. Für einen Gin+Tonic ist er leider zu schwach.

 

 

 

Goldjunge Distilled Dry Gin

Auf den ersten Blick interessant durch das Blattgold in der Flasche. Auf den zweiten Blick leider ein reiner Marketinggag, da es geschmacklich nichts ausmacht. Zum Namen des Gins jedoch sehr passend. Für 22 Botanicals bietet der Gin wenig Komplexität. Man schmeckt fast ausschließlich die Himbeere im Abgang. Zwar sehr lecker, aber dadurch eben wenig komplex. Bei den sehr netten Jungs von Goldjunge haben wir auch noch was neues kennen gelernt: Gin Tonic mit einem Schuss Cold Brew Coffee als interessanten Longdrink. Der Gin ist dann allerdings geschmacklich nur noch als schwach erkennbar.

 

 

Suedmarie
– der zweite Gin aus dem Hause Applaus Gin

Frisch auf dem Markt und schon auf der 089 Spirits um die Münchner zu überzeugen. Bei uns hat er es, zumindest im Vergleich zum ersten Applaus, geschafft. Ein weiterer toller Gin aus Deutschland. Fruchtig, citruslastig und mit einer ausgeprägten mediterranen Note holt er das Sommergefühl zurück. Dazu passt am Besten Dry oder Standard Tonic Water.

 

 

ELF58 Gin

Auch den neuen Gin der „Munich Distillers“ haben wir auf der 089 Spirits probiert. Wir waren ja sehr gespannt auf diesen Tropfen, vor allem, weil sich hier der Name sowie die 58 Volumenprozent des Gins von der 1158 gegründeten Stadt München ableiten. Zudem wird er komplett unfiltriert abgefüllt. Es wird mit „kräftig“ geworben, was wir definitiv unterschreiben können. Pur ist der Elf58 fast nicht zu genießen, er bietet eine unglaubliche Schärfe durch die hohen Volumenprozente. Gemischt als Gin & Tonic (wir hatten ihn mit Schweppes Indian Tonic Water) kann man ihn allerdings ganz gut trinken. Jedoch für uns nichts besonderes. Hier sind eher der Alkoholgehalt und die Flasche sowie die Herstellung etwas ins Auge stechende.

 

OMG Gin

Ein Gin aus dem Land, das vor allem für Slibowitz bekannt ist: Tschechien. Hergestellt in der Distillery Zufanek, ein kleiner Familienbetrieb in den Karpathen, und bei uns vertrieben von LION-SPIRITS. Der OMG ist kein Gin, der außergewöhnlich wirbt oder versucht, groß aufzufallen. Es ist eher ein klassischer schmackhafter Gin, ohne Ausreisser in besondere Gefilde. Wacholderbombe mit feiner Zitrusnote trifft es am Besten. Im Mundraum bleibt lange eine interessante Würzigkeit zurück, die vor allem vom Koriander herrühren dürfte. In Kombination mit dem angenehm zurückhaltenden Gents Swiss Roots Tonic Water ein wohlschmeckender klassischer Gin & Tonic.

 

Kurz vor Schluss kommt noch ein interessanter Vergleich zwischen dem

Edinburgh Gin
VS Edinburgh Navy Strength Cannonball

Der Destiller versetzt uns zurück in die ruhmreiche Zeit der British Navy und bringt mit dem 57% starkem Cannonball einen Navy Strength Gin auf den Markt – wobei die tägliche Ration Gin mit Zitrone und Tonic zur Vorsorge gegen Skorbut ja nicht mehr üblich ist.
Für uns waren die beiden Gins geschmacklich sehr ähnlich, den Mehralkohol des Cannonballs ahnt man geschmacklich nicht heraus. Im Gegenteil, Nicolas empfand den „normalen“ Edinburgh sogar als etwas schärfer und damit gefühlt stärker.
Der Cannonball hat allerdings einen ausgeprägteren Wacholdergeschmack und eine Pfeffernote, was den Alkohol bestimmt besser überdeckt. Die Zitrusfrüchte und Kräuter aus dem Klassiker vermisst man. Unser Fazit: Beides sehr gute klassische Gins, wobei der Cannonball aufgrund des Alkoholgehalts lieber zum mixen verwendet werden sollte, wogegen der Klassiker von Edinburgh auch mal pur ein Genuss sein kann.

 

Unsere Nachlese in die Welt des Gins und der 089Spirits möchten wir mit einem besonderen Schmankerl abschließen, und zwar dem

London Dry Gin
von Cosmic Spirits

Hinter Cosmic Spirits steht ein echter Alleskönner, der Münchner Sebastian Rauscher: Schreiner, Innenarchitekt und neuerdings Destillateur. Auf der 089Spirits hat er seinen Absinth und den Gin zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Das der Stand selbst geschreinert ist versteht sich dabei von selbst, oder? Uns hat er sehr gut geschmeckt, sein London Dry Gin. Die Basis bildet natürlich ein stabiles Wacholderaroma, desweiteren sind die Citrusnote und verschiedene Kräuter herausschmeckbar. Über die genauen Botanicals schweigt Sebastian aber. Was er uns allerdings erzählt hat, ist die Hintergrundgeschichte zu der speziellen Banderole. Sebastian, der u.a. auch Maler ist, hat eine Leinwand gemalt, diese in passende Stücke geschnitten und als Banderole um die einzelnen Flaschen gebunden. Also ein echtes Unikat! Sebastian, wir wünschen dir und deinen Produkten viel Erfolg am Markt, denn du hast starke (oder sollten wir lieber sagen hochprozentige) Konkurrenz.

Neben den vielen leckeren Gins hatten wir natürlich auch Gelegenheit bei den anderen Ständen vorbei zu schnuppern. Besonders in Erinnerung geblieben ist dabei ein Barbados Rum der im Pedro Ximénez (PX) Fass reifen durfte, der Rough Guy – ein Biermischgetränk aus Bier und Whisky und eine kleine persönliche Lektion über das richtige Tasten von hochwertigem Tequila am Stand von Huizache Tequila. Für uns hat sich der Besuch in vollstem Maße gelohnt und wir freuen uns aufs nächste Jahr. Dann jedoch mit einer anständigen Kamera im Gepäck, die hatten wir vor lauter Vorfreude auf die Messe nämlich total vergessen.

Und jetzt seid ihr gefragt. Habt ihr einen der genannten Gins schon probiert? Oder wart sogar selber auf der Messe? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren.

 

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